Stadterneuerung und EG-Zone

Nachdem die Bausubstanz Wiens durch die Reparaturarbeiten der 1950er und 1960er Jahre von den Kriegsschäden befreit worden war, konnte sich die Stadtverwaltung den Aufgaben der Stadterneuerung widmen. Bis zur diesen Zeit fand die Sanierung der alten Bausubstanz im Vergleich zur Neubautätigkeit weniger Aufmerksamkeit.

Ab 1974 wurde mit dem ‚Bundesgesetz betreffend die Assanierung von Wohngebieten‘ eine rechtliche Grundlage geschaffen, um die Probleme der gründerzeitlichen Bausubstanz zu beheben. Im Zuge der ersten Stadt-erneuerungsvorhaben sollten die BewohnerInnen der heruntergekommenen historischen Bauten abgesiedelt werden. Abriss- und Abbruchtätigkeiten wurden in den Mittelpunkt gestellt.

In den Jahren zwischen 1974 und 1975 ermöglichte eine Initiative von ArchitektInnen und Fernsehjournalisten unter medialer Präsenz das Projekt ‚Planquadrat‘ im vierten Bezirk, ein partizipatives Sanierungsprojekt, das heute noch als Musterbeispiel für BewohnerInnen orientierte und schonende Sanierung gilt.

1984 trat das Wohnhaussanierungsgesetz in Kraft und der ‚Wiener Bodenbereitstellungs- und Stadterneuerungsfonds‘ (WBSF) wurde durch Beschluss des Wiener Gemeinderates gegründet, der später ‚Fonds für Wohnbau und Stadterneuerung’ (wohnfonds_wien) genannt wurde.

Die Aufgaben der gemeinnützigen Organisationseinheit der Stadt Wien sind 
Liegenschaftsmanagement, Projektentwicklung und 
Qualitätssicherung im geförderten Wiener Wohnbau durch die Abwicklung der Bauträgerwettbewerbe und durch die Tätigkeit des Grundstücksbeirats sowie die Vorbereitung und Durchführung von Stadterneuerungsmaßnahmen, Beratung, Koordination und Kontrolle der geförderten Wohnhaussanierung sowie Entwicklung
von Blocksanierungen.

Die Behörde für die Stadterneuerung (wohnfonds_wien) beschreibt ihre eigene Aufgabe folgendermaßen:

„Die Stadterneuerung in Wien verfolgt das Ziel, die Altsubstanz nach Möglichkeit zu erhalten und soweit dies wirtschaftlich vertretbar ist, auch zu verbessern, und zwar unter Einbeziehung der betroffenen Bewohner. Weitere Ziele sind die Verbesserung des Wohnkomforts und des Wohnumfeldes (Infrastruktur), Teilabbrüche zur Verbesserung der Belichtungs- und Belüftungs-verhältnisse, Erhalt wohnungsnaher Arbeitsplätze sowie die Verbesserung der Verkehrssituation (z.B. Garagen, Radwege).“ [1]

 In diesem Kontext überprüft der ‚wohnfonds_wien‘ die Förderungswürdigkeit der Wohnhaussanierungen und gibt Empfehlungen zur Förderung an die Wiener Landesregierung. Als rechtliche Grundlage für Förderungsverfahren regelt das Wiener Wohnbauförderungs- und Wohnhaussanierungsgesetz (WWFSG) 1989 die Höhe und Art der Förderung.

Der überwiegende Teil der sogenannten Substandardwohnungen befindet sich in den gründerzeitlichen Bauten (gebaut zwischen 1848 und 1918) im Privat-besitz. Deren Zahl sank dramatisch. Weil nicht alle Wohnungssanierungen gemeldet werden, gibt es derzeit keine verbindlichen Zahlen zu den Substandardwohnungen. Es gibt in der Stadt auch noch einzelne ‚Problemhäuser’, die von langfristigem Desinvestitionsverhalten der EigentümerInnen betroffen sind, die fast nur für ZuwanderInnen als Wohnadresse in Frage kommen, weil diese einerseits am Wohnungsmarkt diskriminiert werden, andererseits aber weil sie sich nur die günstigsten Mieten leisten können.Es gibt in Wien insgesamt rund 150.000 Bauten, davon rund 35.000 Bauten, die vor 1919 errichtet worden sind. Davon sind 32.000 Gründerzeitbauten, die zwischen 1850 und 1919 entstanden sind.

Das sind ca. 22% aller Bauten in Wien. Die 280.000 Wohnungen, die sich in den gründerzeitlichen Bauten befinden, machen fast 30% aller Wohnungen in Wien (rund 930.000) aus.[2]

Mitte der 1970er Jahre gab es in Wien 300.000 Substandard-Wohnungen mit schlechter Ausstattung. Die gründerzeitlichen Bauten hatten bis zu dieser Zeit seit ihrer Entstehung keine Instandsetzungsarbeiten oder Modernisierungen erfahren. 2001 gab es in Wien nur noch 7,5% Kategorie D Wohnungen und 1,5% Kategorie C Wohnungen. Die restlichen 89% der Wohnungen hatten Kategorie A oder B.[3]

Quellen:

[1] www.wohnfonds.wien.at (Zugriff 2013-06-14)
[2] Potyka, Hugo (2006): Gründerzeit – Auslandserfahrungen. unveröffentlichte Studie im Auftrag der MA 19 der Stadt Wien
[3] Statistik Austria (2008)